Unverzichtbar (3): Schmuck
Ein Leben ohne Schmuck? Ganz eindeutig furchtbar!
Ein einziger Tag Ohne? Dürfte doch eigentlich machbar sein. Pustekuchen.
Manche Menschen sind ohne Zigaretten und Kaffee unerträglich, Ich ohne Schmuck.
Dabei geht es weniger um mein Erscheinungsbild, sondern eher um mein inneres Gleichgewicht.
Meine erste Hürde am Heute-kein-Schmuck-Tag war bereits der Morgen. Gerade wollte ich in meine Schmuckbox greifen um dann verärgert festzustellen, dass heute keine goldenen Ovale an meinen Ohren baumeln würden. Mist. Vielleicht sollte ich den auserwählten Tag auf Morgen verschieben, denn zu diesem Outfit musste ich einfach Ohrringe tragen. „Ich werde ja wohl einen Tag ohne überstehen. Ist doch kein Problem!“, feuerte ich mich selbst an.
Man muss verstehen, dass Ohrringe, Ketten und Co. verschiedene Wirkungen auf meinen Gemütszustand haben. Wenn ich nervös werde, drehe ich meinen Ring am Finger, wenn ich gelangweilt bin, spiele ich mit meiner Kette und um mich in einer einschläfernden Schulstunde vorm Wegnicken zu hindern, klimpere ich mit meinen Ohrringen. All diese Kleinigkeiten mögen simpel erscheinen, aber mich beruhigen sie, schlichten mein inneres Chaos und bringen Ying und Yang ins Gleichgewicht.
So, und jetzt ein ausgedehnter Schultag ohne meinen Schmuck:
Als mich mein Chemielehrerin etwas frage, auf das ich eigentlich eine Antwort wusste, hatte ich keinen Ring um mich zu beruhigen.
Ihre bohrenden Blicke machten mich so nervös, dass ich nur noch wirres Zeug stammelte, womit ich mir einen verachtenden Blick einfing.
In meiner langweiligen Französischstunde war ich schon fast im Reich der Träume angekommen. Schnell wollte ich nach meiner nichtvorhandenen Kette greifen oder mit meinen Ohrringen klimpern – doch da wie gesagt nichts von alledem verfügbar war, kritzelte ich aus purer Verzweiflung kleine Herzchen und Blümchen in das Heft meiner Freundin. Die fand mein vollendetes Kunstwerk überhaupt nicht witzig und strafte mich den Rest des Tages mit Freundschaftsentzug.
Auch in der Mathestunde erging es mir nicht besser. Ich war fest davon überzeug, dass ich meinen Lieblingsring während des letzten Toilettenbesuches auf der Ablage vergessen hatte. Also klapperte ich während der Schulstunde sämtliche Toiletten ab, nur um nach 15min festzustellen, dass ich ja überhaupt keinen getragen hatte. Mein Lehrer hatte leider für mein Problemchen kein allzu großes Verständnis.
Während des Tages durfte ich mir dann noch Kommentare wie „Was ist mit dir heute eigentlich los?“ oder „Man bist du heute aggro!“ anhören. Ich möchte betonen, dass ich normalerweise eine sehr aufgeschlossene, humorvolle Person bin.
Irgendwann war ich dann so gestresst, dass ich einfach nur noch nach Hause wollte.
Meine Schlussfolgerung aus diesem Tag: Niemals wieder ohne meinen Schmuck. Dann geht es mir und den Menschen in meiner Umgebung erheblich besser.

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