Ich war eine Weile weg, mein Geld aus Griechenland zurückholen. Währenddessen hat Lena Deutschland in kollektiven Schwarz-Rot-Gold-Rausch gestürzt. So sehr, dass jetzt sogar unser Bundes-Horst das Handtuch wirft.

Wir haben wahrlich schon bessere Zeiten erlebt als dieser Tage. Die Pleite-Griechen setzen unserem heißgeliebten Euro zu. Und auch sonst gibt die Politik derzeit kein besonders gutes Bild ab: Was ist nur aus dem einstigen Shooting-Star und Spaßpolitiker Guido W. geworden? Und warum sehe ich nichts mehr von Angies bezauberndem Lächeln? Alles ist so grau und trist geworden, nicht mal der Sommer traut sich, zu uns zu kommen. Immerhin, nach Athen hat letzterer es schon geschafft – davon konnte ich mich selbst überzeugen, als ich meine Schwarzgeld-Koffer (natürlich D-Mark!) in Sicherheit gebracht habe. Nicht, dass die Griechen die auch noch plündern. Die Milliarden, die wir ihnen schenken, müssen einfach reichen!

Vorletzten Samstag ist dann aber was geschehen, das Hoffnung macht: Wir haben gewonnen! Nein, nicht die Fußball-WM. Und auch nicht die Eishockey-Weltmeisterschaft. Nein, wir sind jetzt offiziell die besten (Schlager-)Sänger im krisengeschüttelten Europa. Nach gefühlten 100 Jahren. Wahnsinn! Was für eine Euphorie. Autokorsos, Hupkonzerte, Schwarz-Rot-Goldenes-Fahnenmeer. Wie damals, als die Mauer fiel. Oder anno 2006, zur Fußball-WM.

Foto: Indrek Galetin (EBU)

Foto: Indrek Galetin (EBU)

Gut, das Liedchen muss nicht jedem gefallen. Und das millionenteure Show-Spektakel auch nicht. Aber den ganzen Miesepetern möchte ich sagen: Ich liebe Lena. Politik besteht doch nicht nur aus Hartz IV, Afghanistan und Steuererhöhungen. Dass wir Deutschen im Ausland so beliebt sind, dass die Leute bei “Made in Germany” nicht an Sauerkraut und Nazi-Uniformen denken, haben wir doch nicht den Millionen, die unser Staat für Kulturprogramme im Ausland ausgibt, zu verdanken. Schuld daran ist, das ist ganz klar, Jogis (oder Klinsis) WM-Elf und natürlich Lena.

Lena, Lena, Lena überall – so populär wie eigentlich nur einer im Lande: unser Bundes-Horst. Die Euphorie um dieses Mädchen wurde ihm dann aber zu viel. Oder war es doch das Afghanistan-Theater? “Hab’ kein Bock mehr”, schmollte er und verließ das (sinkende?) Schiff Deutschland. Zum ersten Mal sagte ein Bundespräsident vorzeitig “Adieu”. Vertreten wird ihn erstmal der aktuelle Präsident des Bundesrates, Jens Böhrnsen.

Am 30. Juni wird nun Köhlers Nachfolger gewählt. Nur wen? Um die drei aufgestelltenKandidaten wird heftig gestritten. Dass ungewöhnliche Zusammenarbeit aber funktionieren kann, haben wir beim Gesangswettbewerb gesehen. Und ich wette einfach mal: Stefan Raab plant mit seiner Lena schon den nächsten Coup.

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