Von der manipulierten Art des Glücks

Von Zeit zu Zeit bin ich ganz schön peinlich berührt, wenn ich merke, wie Werbung doch nicht ganz ohne Einfluss an mir vorbei geht. Damit meine ich nicht meine durchaus sinnvolle Besessenheit von Discounter-Prospekten, um bloß kein Geld für Lebensmittel zu verschwenden, sondern es als monetären Wert auf meinem Konto zu bestaunen. Nein, ich meine die schleichende Art und Weise, wie sich Markennamen und Werbeslogans in unseren Hirnen einrichten. Ganz unschuldig, ganz selbstverständlich. Daher wunderte ich mich zunächst, als eine Freundin in lautes Lachen ausbrach, als ich ihr einen „Werther’s Original“ und nicht etwa ein Bonbon anbot.
Zu meinem Glück konnte ich feststellen, dass die Gedanken von (fast) jedem mal von dem ein oder anderen Werbethema beherrscht werden. Meine Freundin beispielsweise revanchierte sich kurze Zeit später als wir über Radio-Sender sprachen. Ihr musikalischer Frühstücksbegleiter spielt entgegen meiner Annahme nicht etwa nur Oldies, sondern „das Beste der 80’er, 90’er und die Hits von heute“ – ist doch klar! Bei meinem Bruder begegnete mir gar ein eindeutiger Fall von Manipulation: Während er sonst eher ein Typ der cooleren Sorte ist, sprang er vor ein paar Tagen die Treppe hinunter und sang dabei fröhlich: „Yummie, yummie,yummie – I got love in my tummy“, wie sonst nur die Schokolade aus der Kinderriegel-Werbung. Fast schon gruselig dieser Werbeeffekt…
Und wenn wir gerade von Singen sprechen, erklärt die Dauermusik-beschallung in der Werbung auch, warum überraschend viele Leute vor der WM von Shakiras „WakaWaka“-Titel noch nie etwas gehört hatten – und eher dachten das Lied „Wavin’ Flag“ aus der CocaCola-Werbung wäre der offizielle WM-Song. Diese Verwechslung führte unter meinen Kommilitonen zu wilden Diskussionen – genauso wie die Frage mit was zwei Jungs am schönen Comer See um das Herz der schönen Desirée kämpften (mit Schweiß und Schmerz…und natürlich mit Duplo!).
Werbung ist also nicht nur ein Instrument, um den armen Konsumenten zu beeinflussen, sondern liefert darüber hinaus jede Menge anregenden Gesprächsstoff und den größten Spaß. Wie beispielsweise, wenn man sich an den Straßenrand stellt und sich ganz kräftig schüttelt, wie die Damen und Herren in der Ariel-Werbung. Natürlich fällt so nicht wie im Spot jeglicher Dreck von einem ab, aber es macht auf jeden Fall glücklich

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