Irgendwie ist es doch so, dass in der Jugendzeit ein Highlight dem anderen folgt, oder?! Zumindest kommt es mir selbst in den letzten Wochen so vor – und dann hatte ich meine ersten beiden Fahrstunden.

Nachdem mein Fahrlehrer und ich diesen ersten Termin vor ein paar Tagen festgelegt hatten, stellte sich bei mir augenblicklich eine gewisse Vorfreude ein – die genau bis zum besagten Tag anhielt. Die Nervosität und die Angst vor einer üblen Blamage oder Unfähigkeit schafften es dann doch, sich bei mir bemerkbar zu machen. Noch dazu kam, dass genau eine Stunde vor diesem abgemachten Termin das Wasser nur so vom Himmel zu fallen begann. Mir graute es ja sowieso schon  vor den ganzen Pedalen, Hebeln, Knöpfen und Spiegeln… und den Anforderungen meines Fahrlehrers an mich. Da mussten doch nicht auch noch die hin und her rasenden Scheibenwischer hinzu kommen?! Während ich mir schon die schlimmsten Szenarien ausmalte und immer mehr Angst bekam, überlegten es sich die Wolkenmassen doch noch einmal anders und stellten netterweise das Wasser ab.

Nachdem ich mir ein wenig Mittagessen aufgezwungen hatte, fuhr mich meine Mom kurzerhand zur Fahrschule – ansonsten wäre ich nämlich zu spät gekommen. Dort angekommen wurden mir sogleich auch schon die drei Pedale erklärt, die Einstellung des Sitzes und der Spiegel sowie die Kupplung. Nachdem ich das Auto ein paar Mal “kommen lassen” hatte, sollte ich auf die Straße fahren. Ich war ziemlich schockiert, wie man mich nach einer Viertelstunde schon in einem Auto auf die Straße loslassen konnte. Bis zur nächsten Abzweigung in ein kleineres, ziemlich unbefahrenes Sträßchen schaffte ich es dann doch mit Hilfe meines Fahrlehrers und sollte dort dann mehrmals anhalten und wieder losfahren. Das klappte aber auch nur so hervorragend, weil ich mich in diesen paar Metern lediglich auf die Pedale konzentrieren musste. Um den Rest kümmerte sich zu diesem Zeitpunkt noch mein Fahrlehrer. Als ich ein paar Seitensträßchen weiter allerdings auch noch in den Rück- und Seitenspiegel sowie über meine Schulter schauen, nebenher noch Blinken, das Lenkrad im Griff haben und die richtigen Pedale zur richtigen Zeit mit der richtigen Stärke drücken sollte, war ich eindeutig überfordert. Außerorts gestaltete sich das Fahren jedoch verhältnismäßig einfach, denn man muss eigentlich nicht abbiegen oder anhalten.

Dabei ist es schon ein komisches Gefühl, selbst zu fahren. Bis jetzt erschien es mir als etwas Unerreichbares der Erwachsenenwelt – und man lernt die Straßen aus einer ganz anderen Perspektive kennen, nämlich aus der des Fahrers.

Da ich jetzt hier nicht aufzählen möchte, welche Sträßchen ich in welcher Reihenfolge abgefahren habe, beschränke ich mich auf meine persönlichen Highlights. Dass ich hierbei nicht davon erzähle, wie ich es problemlos geschafft habe, an einem Berg anzufahren, ist wohl klar – das würde nämlich keinen interessieren. Aber ich habe auch noch etwas anderes auf Lager. Ich sollte beispielsweise rückwärts in eine Straße fahren, was sich als die schwierigste Aufgabe überhaupt herausstellte. Rückwärts… und dann ging es auch noch leicht bergab… in der ersten Fahrstunde. Dabei kann ich die Länge und Breite des Autos nicht einmal beim Vorwärtsfahren einschätzen! Nichts desto trotz stellte ich mich der Aufgabe. Irgendwann musste ich mich blamieren – dann besser gleich zu Beginn, wo ich sowieso nichts kann. Anfangs eierte ich ein wenig umher, doch dann kam ich so durcheinander, dass ich im Endeffekt fast quer in der Straße stand. Glücklicherweise war kein anderes Auto unterwegs, das sich behindert hätte fühlen können und mir war es mit viel Anstrengung möglich, wieder nach oben zu fahren. Natürlich nicht, ohne durch meine super Einschätzung, was die Länge des Autos anbelangt, beinahe auf den Gehweg zu rauschen.

Ein andermal fuhr ich in Steinheim die Hauptstraße entlang in Richtung Kreisel. Ich versuchte vorbildlich der nächsten Anweisung meines Fahrlehrers zu folgen und auf den Lidl-Parkplatz einzubiegen. Die Betonung liegt allerdings auf “versuchte”, denn so sehr ich mich bemüht hatte, den Autos hinter mir keine Umstände zu bereiten, würgte ich selbstverständlich den Wagen ab. Natürlich waren gerade einige Leute mit dem Auto unterwegs und standen in einer Schlange hinter mir. Das weiß ich so genau, weil ich, anstatt das Auto schnellstmöglich wieder zum Laufen zu bringen und aus dem Weg zu bewegen, zuerst einmal interessiert in den Rückspiegel schaute. Im Wagen direkt hinter mir schien sich eine Frau prächtig über mich zu amüsieren – und ihre Beifahrerin auch. Nachdem ich den Vorteil in dieser Situation gesehen hatte, nämlich dass die beiden Frauen etwas zu lachen hatten und sich nun bestimmt von ihren ersten Fahrstunden erzählten, kam mir langsam auch der Nachteil in den Sinn – ich stand mitten auf der Fahrbahn und hinderte die anderen an der Weiterfahrt. Also noch einmal ganz langsam und konzentriert das Auto aus dem Weg in die Einfahrt fahren: Kupplung treten und den Motor neu starten, dann den ersten Gang einlegen. Nun Blinker betätigen, erst in den Rück- dann in den Außenspiegel sehen, Schulterblick, die Kupplung langsam loslassen, etwas Gas geben, nach rechts lenken – und die Gefahr war gebannt.

Die letzte große Prüfung für meine Nerven war gekommen, als die Stunden schon beinahe um waren. Ich war zu mir nach Hause gefahren und sollte dort nun seitwärts an die Straße parken. Allerdings durfte ich nicht einfach vorwärts reinfahren, sondern sollte neben das Auto meines  Nachbarn fahren und dann rückwärts einparken – so richtig mit Lenkrad einschlagen und so. So ein Auto rangieren ist gar nicht so einfach, immerhin ist es immer noch schwer gewesen, einzuschätzen, wie lang und wie breit es ist. Als der Wagen dann endlich akzeptabel hinter dem unbeschadeten Wagen meines Nachbarn stand, waren meine ersten Fahrstunden beendet und ich froh, es überstanden zu haben.

Merke: Wer meint Frauen wären unberechenbar, wenn sie einem wutentbrannt gegenüberstehen, der ist noch keiner Fahranfängerin in einem Auto begegnet.

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