Fleischfresser
Bestellt man in einem Restaurant ein fleischloses Gericht, muss man teilweise mit krummen Blicken rechnen. Vegetarier sind wirklich nicht die angesehenste Gruppierung der Gesellschaft. Sie müssen mit Vorurteilen leben. Blass sind sie. Pickelig. Notorische Spaßbremsen, die bei McDonalds den Zeigefinger erheben. Viel lustiger, als sich die Gespräche der überzeugten Fleischfresser über eine fleischlose, und damit vermeintlich menschenuntypische Ernährung, anzuhören, ist aber ihnen zuzusehen. Und ihr Verhalten beim Essen zu … belächeln.
Die Gattung des überzeugten Fleischfressers setzt sich an den Tisch und erwartet lüstern die Speisekarte. Oh mein Gott – welches Fleisch soll er nur nehmen? Ein starkes Rind, ein zartes Lamm oder ein saftiges Rehkitz? Lieber den kleinen Frischling oder das junge Kaninchen? Die Qual der Wahl ist hart – Pute oder Schwein, bekommt man ja jeden Tag zu Haus, daher nicht bestellenswert.
Während des Wartens auf die schmackhaft saftige Hauptspeise wird ein quasi-philosophischer Schwank über die Nahrungskette gehalten, um die Fleischeslust zu legitimieren. Warum haben Menschen denn überhaupt Zähne – nicht um zu grinsen, sondern um mundgerechte Häppchen eines Tieres zu verdrücken, das in der Nahrungskette selbstverständlich weit unter einem steht.Wildes Gebrüll und arrogantes Weinglasgeschwenke. Ob die Nahrungskette in Zeiten von Viehzucht und Massentierhaltung außerhalb des „Königs der Löwen“ noch existiert? Naja, wer’s braucht…
Dann kommt das tote Vieh an den Tisch – garniert mit ein paar Kartöffelchen und in Soße getunkt fällt es kaum auf, dass das Große auf dem Teller mal ein Bambi war oder ein Schweinchen Babe. Dann fängt die Gattung des überzeugten Fleischfressers an zu schwärmen, wie zart Bambis Oberschenkel schmeckt. Wie edel es eingelegt wurde. Und wie es auf den Punkt Medium gebraten wurde – sodass man genau sieht, dass dieses Lebensmittel vor wenigen Tagen noch durch die Gegend gehüpft ist.
Warum vegetarische Gerichte immer so negativ beäugt werden und warum besonders Männer den Drang haben, möglichst große Massen an totem Getier in sich reinzuschaufeln, weiß ich auch nach dieser unfreiwilligen Comedy nicht. Vielleicht kann es mir ja hier jemand sagen?


Ich bin kein Mann, aber ich liebe Fleisch.
Es passt so gut zu den Kartoffelknödeln.
Und dass mein saftiger Braten mal ein Bambi war – daran denke ich nicht.
Oder, dass er gehüpft ist.
Ich kann Vegetarier verstehen und verurteile sie nicht.
Aber wenn diese wiederum im Restaurant neben mir sitzen und jammern: “Wie kannst du DAS nur essen?? Ja, pfui. Und gestern ist es noch fröhlich durch die Wiesen und Wälder gesprungen! Du hast kein Herz.” – Tja, dann hätte ich Lust, aus dieser Person selbst einen Braten zu machen.
Nichts für Ungut.
@anna:
1. wegan was solltest du auch vegetarier_innen “verurteilen”?? weil sie dir ein schlechtes gewissen machen, weil du glaubst ohne fleisch könntest du nicht leben?
2. wenn die tiere auf deinem teller gestern noch “fröhlich durch wald und wiese gesprungen” wären, wäre die sache ja nur halb so wild, aber vielmehr haben die meisten dieser tiere ihr leben lang in einem engen käfig gesessen und niemals einen wald oder ne wiese oder nur die sonne mit eigenen augen gesehen. das tier wird quasi zum produkt gemacht und das ist das eigentlich ekelhafte an der sache..
Nun ja, verurteilen ist vielleicht ein zu starker Begriff. Aber viele überzeugte Fleischesser lachen Vegetarier aus wenn sie ihren Standpunkt darstellen, oder beschimpfen sie als “nicht normal”.
Das ist natürlich alles Unsinn (und an dieser Stelle bitte keine Diskussion darüber, was nun normal ist und nicht), jeder sollte das machen, was einem persönlich guttut und gefällt – und schmeckt.
Ich glaube nicht, dass ich ohne Fleisch nicht leben könnte und ein schlechtes Gewissen habe ich auch nicht. Ich mag es eben nur nicht, wenn man gekünstelt und übertrieben auf mein Essen reagiert. Was nicht heißt, dass ich mich auf ernstgemeinte Diskussionen nicht einlasse.
Das mit der Käfighaltung – ja. Da hast du recht, mks.
Aber ich glaube immer noch daran, dass man da – zumindest bis zu einer gewissen Grenze – selber beeinflussen kann, was auf dem Teller landet, ist man nicht allzu wahllos beim Einkaufen.
Aber vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ein wenig blauäugig.
Mit den Worten von Dieter Krebs aus einem seiner Sketche: “Schmecka muass”
Das is die Hauptsache
Fleischkonsum – und damit meine ich nicht den Jäger und Sammler, der sich in irgendeinem Urwald etwas zum Überleben erlegt – ist ja nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der Ökologie. Allein die Verkehrsströme, die notwendig sind, um Genfutter um die halbe Welt zu liefern, damit Fleisch zurückgeflogen werden kann, sind vollkommen irre. Und, jaja, jetzt kommt das Fleischesserargument: Äpfel aus Neuseeland sind nicht minder bescheuert. Die gesamte Ernährung in den Industrieländern ist ein Thema, über das man sich Gedanken machen könnte. Aber warum nicht mal mit dem Fleisch anfangen? Ein gutes Magazin dazu: “Kochen ohne Knochen”. Google hilft.
Ich bin selbst Vegetarierin, wurde aber noch nie verurteilt, weil ich im Restaurant was ohne Fleisch bestellt habe. Wieso auch, da denkt sich ja nicht jeder gleich: “Wie abartig, die isst Kässpätzle/Suppe/eine Ofenkartoffel oder Salat!?”
Die meisten “Frauengerichte” sind eh mit wenig oder ohne Fleisch (ich glaube es würde sogar eher auffallen, wenn sich eine Frau ein blutiges Steak oder eine Schweinshaxe bestellen würde).
Ich zwinge Leuten nicht meine Meinung auf,im Gegenteil, ich behalte es oft für mich, um lästige Tisch-Diskussionen zu umgehen. Ich erkläre aber jedem, der es wissen will, wieso usw. Belehren will ich niemanden -weil ich selbst nicht leiden kann, die Ethik von “Fleischessern” aufgezwungen zu bekommen. Sein Essverhalten sollte jeder für sich bestimmen und sich höchstens vor sich selbst rechtfertigen.
Im Umkehrschluss sollten auch Vegetarier/Veganer respektieren, wenn jemand Fleisch ist. Ich kann mich nur zu gut an meine (leicht) gestörte Englisch-Lehrerin erinnern, die den Unterricht regelmäßig dafür nutzte, den Versuch zu unternehmen, die Schüler dazu zu bekehren, kein Fleisch mehr zu essen. Mal davon abgesehen, dass Vegetarismus zumindest ein bestimmten Altersgruppen immer mehr zur Modeerscheinung zu werden scheint; eine Einstellung, die man so schnell wieder ablegt, wie uncool gewordene Klamotten.
so ein quatsch… aber hauptsache was geschrieben.
@Schelle: Natürlich sollten Vegetarier auch respektieren, wenn jemand Fleisch isst(wie oben schon geschrieben). Bei dieser Lehrerin hatte ich übrigens auch schon Unterricht;), (WeG, Fr. V.), ich stimme Dir zu.
Aber ich finde nicht, dass man alle Vegetrarier über einen Kamm scheren sollte. Wenn jemand seit fünf Jahren, wie ich zB kein Fleisch isst, ist das keine Modeerscheinung sondern hat andere Gründe. Es gibt auch Leute, die das Eiweiß nicht vertragen. Oder denen es nicht schmeckt. Oder die es einfach nicht “brauchen”. Und selbst die Pseudo-Vegetarier, die es versuchen und “scheitern”,zeigen wenigstens den Willen etwas verändern zu wollen – nicht nur wegen “der armen Tiere”, wie manche Leute immer über Vegetarier denken. Natürlich ist Massentierhaltung für viele auch ein Grund (@Anna: bewusst nur “korrektes” Fleisch zu kaufen ist an sich toll, aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass man im Alltag allzuoft scheitert, zB wenn man im Restaurant isst oder wo eingeladen ist. Und: Was ist korrekte Tierhaltung? Ist Hausschlachtung ok? Oder nur wie die Koberinder, die toll aufwachsen und dann glücklich sterben?)
In der letzten Ausgabe der Zeit stehen echt interessante Sachen zum Thema Fleisch. Ein 50 Cent Cheeseburger hat einen “CO2-Fußabdruck” von 200 Euro (soviel dazu: ein weiterer Grund: Die enorme Umweltbelastung. Manche Experten raten zum Teilzeitvegetarismus, “Modell Sonntagsbraten”). Hier zwei lesenswerte Links, für diejenigen, die es interessiert. http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay
http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Interview
ohne bekehren zu wollen:-)
Und was genau ist Quatsch? Ist ja mal wieder eine rhetorische Meisterleistung, die du ablieferst, mks. Wahnsinnig geniale Argumente, die auch den Allerletzten überzeugen. Bravo!
Schelle:”Im Umkehrschluss sollten auch Vegetarier/Veganer respektieren, wenn jemand Fleisch ist.”
quatsch nr.1: respektieren?? vielleicht akzeptieren oder tolerieren aber ganz bestimmt nicht respektieren!!
Schelle:”Ich kann mich nur zu gut an meine (leicht) gestörte Englisch-Lehrerin erinnern, die den Unterricht regelmäßig dafür nutzte, den Versuch zu unternehmen, die Schüler dazu zu bekehren, kein Fleisch mehr zu essen.”
ja total krass gestört… die gehört doch weggesperrt!! (ironie-modus)
Schelle:”Mal davon abgesehen, dass Vegetarismus zumindest ein bestimmten Altersgruppen immer mehr zur Modeerscheinung zu werden scheint; eine Einstellung, die man so schnell wieder ablegt, wie uncool gewordene Klamotten.”
aha, nur weil das vielleicht bei dir so war heisst das noch lange nicht das bei anderen das auch so sein muss
auf deine seitenhiebe und beleidigungen geh ich hier mal lieber nicht ein, bringt ja bei dir eh nix…
Wenn ich diesen Kommentar so lese, kann ich nur noch sprachlos sein. Daher halte ich es mit dem Motto “Der Klügere gibt nach” und beteilige mich nicht weiter an dieser “Diskussion”.
ich liiiebe Fleisch auch..und ich hab gestern den Artikel über 1 Woche ohne Fleisch als Selbstversuch gelesen. Meiner Meinung nach bringts das nicht wirklich..ch hab 1 Monat lang auf Fleisch verzichtet (freiwillig) und ich glaub, dass man erst ab 2 wochen richtig auf “Fleischenzug” ist..und wenn man schief angeschaut wird, wenn man was ohne Fleisch ist, scheiß drauf. s gibt auch leckere Sachen ohne Fleisch. Und dass sag ich als bekennende Fleischliebhaberin