Rap gegen Gewalt
Heute um 23.30 Uhr wird das das erste Musikvideo unter dem Label “Gewalt?! -ohne Mich” veröffentlicht. Genau zu diesem Zeitpunkt vor acht Jahren starben am 19. Dezember die Jugendlichen Waldemar, Viktor und Alexander vor dem damaligen K2 durch Messerstiche. Das Video wurde gedreht von jungen Videomachern aus Heidenheim, die sich „Neurotic Pictures“ nennen.
Mehr über das Projekt lest ihr im neuen NOISE-Magazin im Interview “Vernunft ist cool, Mann”.
Das Musikvideo ist ab 23.30 Uhr zu sehen auf www.youtube.de/gewaltohnemich

Was soll dieses undifferenzierte Gerede “gegen Gewalt”?
Alex, Waldemar und Viktor wurden Opfer eines einschlägig bekannten Neonazis, der in der Mordnacht gewiss nicht zufällig an genau derselben Stelle mit einem Messer bewaffnet aufgetaucht ist, an der er bereits zum Jahrestag der deutschen Einheit 2003 gemeinsam mit seinen Nazi-Freunden einen Punker überfallen und krankenhausreif geschlagen hat.
Dass der politische Hintergrund der Tat von der Stadtverwaltung und der Justiz konsequent geleugnet wurde, ist schon schlimm genug. Man sollte nicht auch noch bei (sicherlich gutgemeinten) Initiativen in diesen Tenor einstimmen und das Gedenken an die Drei entpolitisieren.
Im Gegensatz zu den Initiatoren hast Du bestimmt noch nie mit den Hinterbliebenen geredet, Ihnen Mut zugesprochen, oder? Ich würde mich freuen, ihr würdet das friedliche Engagement gegen Gewalt, das hier entstanden ist, unterstützen, statt herumzukitisieren. Den Akteueren hier gebührt großes Lob für das, was Sie sich öffentlich trauen und was sie anzustoßen versucht haben. Sie verstecken sich auch nicht hinter einem Synonym wie Du.
Die Angehörigen, mit denen ich gesprochen habe, standen dem antifaschistischen Engagement jedenfalls wohlwollend gegenüber und haben das offizielle Umlügen Schmidts zum unpolitischen Einzeltäter ebenso heftig kritisiert wie die lokalen Antifas. Leider habe ich davon bei euch noch nichts lesen dürfen.
Moralistische Appelle allein reichen eben nicht aus, um die Hintergründe solcher Taten zu beleuchten und Ähnliches in Zukunft zu vermeiden. Die Anonymität, die du bemängelst, ist im übrigen eine Grundvoraussetzung um in faschistischen Strukturen zu recherchieren, diese aufzudecken und zu bekämpfen.
“Ich würde mich freuen, ihr würdet das friedliche Engagement gegen Gewalt, das hier entstanden ist, unterstützen, statt herumzukitisieren”
Und ich würde mich freuen, wenn ihr zumindest dieses eine Mal, nicht zuletzt im Kontext der aktuellen Affäre um den NSU und die Blindheit der Behörden, soviel politisches Rückgrat beweisen könntet den rechtsradikalen Hintegrund der Tat und des Täters nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen bzw als nebensächlich abzutun. Den Künstlern selbst mach ich hier überhaupt keinen Vorwurf, im Video wird hierauf ja zumindest eingegangen. Mir ist auch bewusst, dass die konservative städtische Steuerung der Jugendarbeit es den Beschäftigten nicht gerade leicht macht, kritische politische Stimmen zuzulassen. Aber zumindest ein simples Statement gegen Faschismus und rechte (!) Gewalt, denn genau darum geht es hier, sollte man erwarten können.
Nebenbei bemerkt wäre es nett, wenn ihr eure Zensur von Beiträgen zumindest kennzeichnen würdet.
Vielen Dank für Deinen Beitrag. Wie Du richtig bemerkt hast, gehen die Künstler auf den politischen Hintergrund ein. Was willst Du eigentlich mehr?
Nicht jeder wählt den Weg wie Du. Manche Menschen erreicht man vielleicht besser mit anderen Mitteln als mit puren Worten und Statements. Sei doch froh, dass das Einstehen gegen Gewalt und Neo-Nazismus auf breiten Schultern liegt und nicht nur auf euren.
Im Übrigen denke ich, dass politisch gut informierte Menschen (und dazu zähle ich Dich) wissen, was der Begriff “Zensur” bedeutet.
Afa, im endeffekt sind wir uns näher als wir denken und ich bin mir sicher, dass wir nur durch durch Bündelung aller unserer Kräfte gegen jegliche Misstände in der Gesellschaft – und dazu gehört auch der Rassismus – mehr erreichen kann. Dazu müssen wir aber aufeinderzugehen und ich kann dir versichern, dass ich keine Marionette meines Arbeitgebers war und bin, dazu bin zu stürköpfig und zu sehr der “Südländer”:)
Schon aufgrund meiner türkischen Herkunft bin ich gegen Rassismus und kämpfe seit meiner Kindheit gegen dieses unsegliche Phänomen an und das nicht nur in Deutschland. Lasst uns einfach schauen, wie gemeinsam dagegen angehen können.
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Kadir Cildir
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