NOISE-Kolumne: Altersgrenzen
Bisous Lisa am 01.Februar 2012 in NOISE Kolumne
Ich hasse Arztbesuche. Wirklich. Besonders wenn sie beginnen wie dieser hier: Ich trete ins Anmeldezimmer, begrüße die Sprechstundenhilfe einem Lächeln, das Gesundheit und Lebensfreude gemischt mit einem Hauch „Sie werden mich hier nicht allzu oft sehen“ ausstrahlt. Die Sprechstundenhilfe lächelt zurück: „Hallo Lisa, du warst aber noch nie hier, oder?“
Ich schaue verunsichert…ist Deutschland nicht eher noch dem Sie verfallen? Ist das eine Art Alleinstellungsmerkmal unter Ärzten, ein Marketing-Gag oder warum werde ich hier gleich geduzt? Die Auflösung folgt prompt, als die Sprechstundenhilfe meine Krankenversicherungskarte in ihren PC schiebt. „Ach, Sie sind ja schon 23, ich hätte jetzt so auf 16 oder 17 getippt!“, ruft sie höchst erstaunt.
Ich finde wirklich nicht, dass ich aussehe wie ein Teenager. Wie jemand, der gerade seinen eigenen Personalausweis bekommen hat und bald mit dem Führerschein anfängt. Ich meine…halloooo?? Der Zahn der Zeit beginnt quasi schon an mir zu nagen – alle Popstars und Fußballbundesligaspieler sind auf einmal jünger als ich und meine Chancen Deutschlands nächstes Topmodel zu werden, sind wohl nun nicht mehr nur meiner Größe wegen, sondern auch wegen meines Alters gering. Bitte, Leute – seht doch meine Poren an!
Ich bin viel lieber 23 als 16 – dieses Schulding, Gruppengezwänge und das Cool-Uncool-Urteil, die scheinbar von Generation zu Generation ihren Weg in die Köpfe vieler Jugendlicher finden…ne, echt nicht.
Nur einige Zeit nach besagtem Arztbesuch wollte ich mir eine DVD kaufen. Die nette Verkäuferin fragt mich an der Kasse nach meinem Ausweis. Ich bin verwirrt – Ausweis, DVD, wie passt das zusammen? „Haben Sie vielleicht schon den Führerschein, ich muss das kontrollieren, der Film ist erst ab 16 freigegeben.“
Grundsätzlich bin ich es gewohnt, Zutritt zu Diskotheken, die Wert auf ein älteres Publikum legen, nur durch das Vorzeigen meines Ausweises zu erlangen – daran hat beispielsweise auch das Färben meiner Haare von blond zu brünette nichts geändert. Die Bild der Frau rät mir dazu, Mini-Röcke und Shorts aus meinem Kleiderschrank zu verbannen und lieber Erwachsenen-Kleidung zu tragen. Puuuh, ein schweres Opfer – ich telefoniere lieber meine Mutti, die mir sagt: “Die sind doch alle nur neidisch, Lisi – in 10 Jahren freust du dich, wenn man dir das sagt!”



