Bisous Lisa am 04.April 2012 in NOISE Kolumne

Der erste Abschied meines Lebens war eine sehr prägende Erfahrung. Nun ja, es war der zumindest der erste große Abschied, an den ich Erinnerung besitze. Es war der Tag, an dem meine Eltern unseren weißen Ford in Zahlung gaben. Den alten, mit Window-Colour verzierten und personalisierten Wagen gegen ein neues Auto eintauschten. Mir brach das Herz. Während meine Eltern noch mit dem Autohändler plauderten, genoss ich heulend die letzten Momente zusammen mit unserem alten Auto.
Mein Schmerz dauerte noch mehrere Tage an – als ich zwei Tage später meinen Bauchtanzkurs besuchte und ein langsames, trauriges Lied gespielt wurde, konnte ich nicht mehr an mir halten. Ich brach in Tränen aus, meine Lehrerin unterbrach die Stunde, nahm mich in den Arm und fragte mich, wieso ich so traurig bin. Ich erklärte ihr meinen tragischen Verlust. Und ich würde mich zu gern an ihren Gesichtsausdruck in diesem Moment erinnern können – was für ein freakiges Kind!
Mein Umgang mit Abschieden verbesserte sich nicht über die Jahre. Als ein Pro 7 Nachrichtensprecher „die letzte Folge von Buffy – Im Bann (kurze Pause) der Dämonen“ ankündigte, blieb bei mir genauso wenig ein Auge trocken, wie in dem Moment, als Rory ihr Abschlusszeugnis aus Yale bekam und mit einer Party im Regen verabschiedet wurde.
Ihr könnt euch also vorstellen, wie es an meinem Abi-Ball zuging, wie ich meine erste große Liebe in eine Fernbeziehung entlassen musste und wie meine Freundinnen und ich der großen weiten Welt „hallo“ und einander „add mich bei Skype“ sagen mussten.
Für mein Bachelor-Studium musste ich mich auch von meinen Eltern und meiner Familie verabschieden – alle halben Jahre wieder gab es ein kleines Bahnhofsdrama und auf dem Weg dahin spielte das Autoradio seltsamerweise wurde überdurchschnittlich häufig das Lied „Stay“ von One Republic (und es hat tatsächlich sehr häufig geregnet).
Doch auch die Chance, während meines Master-Studiums meiner Heimat wieder vier Stunden näher zu kommen, stellte mich nicht unbedingt zufrieden – kurz bevor ich meine Wohnung in Heidenheim meinem Nachmieter übergab, stand ich tränenüberströmt im leeren Raum, schaute aus dem Fenster und schwelgte in vielen schönen Erinnerungen.
Ich hasse Abschiede, aber ein bisschen liebe ich sie auch – denn wenn man etwas verlassen muss, fällt einem doch auf, wie schön eigentlich alles ist. Beim Verabschieden wird mir zwar immer ziemlich rot um die Augen, aber auch ganz schön warm ums Herz.
Wie es die Redensart nun vorgibt verabschiede ich mich an diesem Mittwoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge von NOISE, von Bisous, Lisa! und von zwei Jahren, in denen ich die Gelegenheit hatte, augenzwinkernd Küsschen in allmögliche Richtungen zu verteilen. Ich hoffe, dass der ein oder andere NOISE-Leser daran auch Spaß hatte, vielleicht ein bisschen geschmunzelt und gelacht hat – und nun ein klein wenig traurig ist