NOISE-Kolumne: Abgelenkt
Bisous Lisa am 08.Februar 2012 in NOISE Kolumne
Jajaja…irgendwie habe ich letztes Jahr im Sommer noch groß herum getönt einen Master machen zu wollen, zu lernen, mich weiterzubilden, Themen aufs Tiefste zu erkunden – bla bla bla! Gerade stecke ich mitten in der Prüfungsphase und je mehr Prüfungen ich schreibe, desto häufiger schaue ich in Jobportalen nach attraktiven Arbeitsplätzen.
Nun, ganz so schlimm ist es nicht – während der Vorlesungszeit druckte ich die Scripte fleißig aus, schrieb die Worte der Dozenten möglichst originalgetreu mit und markierte mit Post-It‘s und Textmarkern. Wenn ich an die Prüfungsphase dachte, sah ich eine Collage, die mich mal schreibend, mal am PC, mal Stifte anspitzend und dann wieder schlafend über meinen Büchern zeigte. Unterlegt waren diese Bilder mit hoffnungsvoll-dynamischem Indie-Rock, der die Dynamik der Kylausurphase stark erhöht. Außerdem trage ich eine Brille, die suggeriert, dass ich gar nicht mehr lernen brauche, sondern, dass das Wissen quasi implizit in meinem Kopf verankert ist.
Puh, nein leider hat sich das Bild aus meiner Collage nicht verwirklicht. Die Prüfungszeit ist nicht hoffnungsvoll und schon gar nicht dynamisch. Ich muss mich endlos durch meine Ordner wühlen, meine Schrift entziffern, um die Zitate der Dozenten in entsprechenden Situationen dann auch wiedergeben zu können und vor allem muss ich gegen meine unglaubliche Lust ankämpfen, US-amerikanische Fernsehserien zu konsumieren – Lisa, wenn wir eins im Bachelor gelernt haben, dann dass der Lernstoff nicht schneller in den Kopf gelangt, wenn man nebenher noch den Gilmore Girls beim Quatschen zuschaut.
Auch Facebook ist ja bekannt dafür, gerade dann besonders interessant und anziehend zu sein, wenn man etwas Wichtiges zu tun hat. Und ha, das haben meine Lerngruppe und ich ganz clever gelöst: Wir sind quasi immer füreinander da, wenn es Fragen gibt – und zwar in unserem gemeinsam Facebook-Chat. Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als immer online zu sein…ansonsten könnte ich vermeintlich wichtige Diskussionsansätze verpassen!
In Gruppen zu lernen ist ja sowieso immer ultimativ praktisch. Man tauscht nicht nur das Wissen und aus, was man dann doch mal verpasst hat, sondern gerät auch nicht in die Gefahr unter sozialer Verwahrlosung zu leiden. Ich möchte ja schließlich mein wertvoll gewonnenes Wissen auch in den Klausuren preisgeben und nicht im nächsten Semester von Hunden angefressen, einsam und allein in meiner Wohnung gefunden werden, weil ich mich während der Lernphase nicht mal in einen Supermarkt getraut habe.
Okay, genug der ablenkenden Spinnereien…nun noch ein wenig Konzentration, dann ist es ja geschafft – ich wünsche allen, die auch noch die ein oder andere Prüfung oder Hausarbeit schreiben müssen viel Erfolg und das notwendige Glück, falls man den Fokus beim Büffeln dann doch eher auf die Ablenkung als auf den Lernstoff gelegt haben.


