
Das ein oder andere Mal habe ich es an dieser Stelle schon erwähnt und dabei Geschlechterklischees missbraucht. Ich war im Unrecht. Es gilt nicht nur für Jungs, es gilt auch für Mädels: Leute, lernt tanzen! Wieso es notwendig ist, diesen wirklich wahnwitzig relevanten Sachverhalt erneut hier zu platzieren, habe ich vor einigen Wochen auf dem Bachelor-Ball der DHBW Heidenheim erlebt.
Okay, vielleicht bin ich auch mit falschen Erwartungen zum Ball gefahren, aber meine Kausalkette lautet: Ball führt zu Kleid, Kleid führt zu hohen Schuhen, hohe Schuhe führen zu Fortbewegung auf den Fußballen, Bewegungen auf dem Fußballen sind tänzelnd, also – dancing all night long! Zur Begleitung der tänzelnden Bewegungen wurde auf der Einladung zum Ball eine Band angekündigt – ich hoffte also auf eine rauschende Ballnacht, nach der ich am nächsten Tag nur noch schwermütig auf meinen Füßen auftreten kann.
Ich merkte, wie sich die Theorie meiner Marketing-Vorlesungen in Praxis verwandelte: je höher die Erwartungen sind, desto stärker ist die Unzufriedenheit beim Kunden ausgeprägt, wenn die Erwartungen enttäuscht werden. Die Band spielte weder „The first, the last, my everything“, “Your Song” oder„Moonriver“ und so wurde aus dancing all night long ein Mitternachtstanz.
Egal ob ich meine „Ooooh, das ist mein Lieblingssong – komm wir tanzen“-Taktik fuhr, oder mit „Ach, ich habe leider keine Begleitung“ Mitleid erzeugen wollte …kein junger Mann an meinem Tisch konnte einen Cha Cha Cha tanzen, einen Jive-Schritt. Sie behaupteten zwar, mal einen Tanzkurs gemacht zu haben, ließen sich aber nicht mal zu einem Disco-Fox hinreißen.
Während ich also mit meinen Bachelor-Mädels auf der Tanzfläche meine Fußballen in Bewegung brachte, fiel mir auf, dass dieser Sachverhalt nicht nur an meinem Tisch gegenwärtig war, sondern ein Generationsproblem sein musste. Das Alter der (Paar)-Tänzer…naja, es war nicht gerade das durchschnittliche DHBW-Alter. Meine Kommilitonen waren zwar zahlreich vertreten, verbrachten den Abend aber eher gemütlich am Tisch oder stehend an der Bar.
Also schreibe ich dieses Jahr einen Wunschzettel jenseits jeder Materialität. Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass vielleicht ein paar mehr Leute in eine Tanzschule gehen – auch jenseits der Pubertät. Ich wünsche mir zu Weihnachten einen Jungen, der mit mir tanzt…am liebsten zu Frank Sinatra